Adventure Week 2003 - Giro lago blu - Zieh, Mann!
Man sagt, die Mecklenburgische Seenplatte sei eine kleine Wunderwelt, ein Venedig der Natur, mit einem verwirrenden Netz aus Kanälen und Seen, in dem man die Vier-Sterne-Hotels der italienischen Lagunenstadt jedoch vergeblich sucht. - Doch wer sucht hier schon ein Hotel?
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Es ist Freitag, der 25. Juli 2003, zwei Uhr nachmittags. Ungeduldig stehen 26 Abenteuerlustige auf einem Parkplatz in Bayreuth vor einigen Kleinbussen und warten. Es geht wieder los.
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Ein paar Minuten später brummen die Motoren und unser Konvoi setzt sich in Bewegung. Wir legen ab zur Mecklenburgische Seenplatte: Drei Tage auf dem Wasser, ohne Motor, nur das Nötigste im Kanu und wieder mal dieses unbestimmte Kribbeln im Magen...
Es ist brütend heiß. Dank Navigationssystem erreichen wir nach fünfeinhalbstündiger Fahrt unseren Bestimmungsort und "Heimathafen, die Kanustation Mirow. Natürlich geht's erst mal in den See - nach der langen Fahrt eine willkommene Erfrischung. Die Zelte stehen schon, dank der fleißigen Vorhut, und wir verbringen unseren ersten Abend im Schatten großer Kiefern vor dem Feuer. Frank serviert Steaks vom Rost, dazu Salat und Baguette. Mit vollen Mägen machen wir es uns gemütlich.
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Günter ergreift das Wort: Die Geschichte, die ich euch jetzt an den nächsten drei Abenden erzählen will, ist wahr. Alle Unterlagen sind im britischen Marinearchiv erhalten und dort nachzulesen... Wir rücken enger ums Feuer. Unvermittelt tauchen wir ein in das Geschehen von damals: Man schreibt das 1787. König Georg III von England ist König der führenden Seemacht und herrscht über ein riesiges Empire. Kapitän Bligh und seine Mannschaft machen sich mit der Bounty von England auf nach dem legendärenTahiti um von dort Brotfruchtbäumchen nach Jamaika zu schaffen. Die Fahrt gestaltet sich unerwartet schwierig. Nur mit Mühe kann der jähzornige Kapitän seine Mannschaft unter Kontrolle halten. In Tahiti angekommen beginnt für die Besatzung ein traumhaftes, freizügiges Leben ohne Grenzen und Gesetze. Bligh kann die Abreise aus dem Paradies nur mit Gewalt erzwingen und die Stimmung auf dem Schiff ist dementsprechend schlecht, wird noch schlechter und eines Tages läuft das Fass über. Die Besatzung meutert. Bligh wird mit ein paar übriggebliebenen Getreuen in ein Beiboot gesetzt und der Südsee preisgegeben.
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Günter zieht Parallelen zu unserem Leben: Wer kennt das nicht? Ich will leben, wie ich will. Keine Grenzen, keine Gesetze. Wer mir reinreden will, den werfe ich aus meinem Lebensschiff raus. Gott als Kapitän? Spaßverderber, nein Danke! Auf meinem Schiff habe ich das Kommando! - Doch geht das? Oder besser gefragt: Geht das gut? Und wenn - wie lange? Starker Stoff. Viel zu früh tauchen wir aus der Südsee wieder auf. Die Geschichte hat doch gerade erst begonnen! Günter vertröstet uns auf morgen und dann geht's ab in die Zelte.
Ein paar Stechmücken, eine dünne Isomatte und ein Schlafsack. Das Abenteuer hat uns wieder.
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Als um 7:00 Uhr die ersten verschlafenen Gesichter aus den Zelten blicken, ist der Himmel bewölkt, es regnet leicht, aber es ist warm. Versöhnlicher Kaffeduft liegt in der Luft und ein rustikales Frühstücksbuffet steht vor den Zelten: Marmeladen, Honig, Wurst, Käse, Kakao, Milch, Müsli, Kaffee. Vom Feinsten! Frank sei Dank! Um 9:00 Uhr wird's ernst. Das persönliche Gepäck kommt in einen wasserdichten Sack - warum das denn nur? - die Schwimmweste wird angelegt und es sieht schwer danach aus, als ob wir die nächsten Stunden außer einem Paddel nicht viel andere Gegenstände in der Hand haben werden.
Ein Mitarbeiter der Kanustation erklärt uns die wichtigsten Regeln beim Befahren der engen Kanäle und Schleusen. Wir verstauen das gesamte Gepäck samt Küche und den Vorräten in den Booten, die Besatzungen werden zugeteilt und dann stechen wir in See. Zieh, mann! Der Himmel ist noch bedeckt, das ist perfekt für den Anfang. Wir paddeln den Mirower See runter Richtung Süden und langsam wird es wärmer. Der Regen hört auf. Das Ambiente ist großartig. Seerosenfelder ziehen vorbei, ein Graureiher sitzt am Ufer und wir gleiten mehr oder weniger lautlos auf dem Wasser entlang. Auf dem Weg zum Mössensee passieren wir den ersten Kanal und keine 500 Metern weiter muss uns unser GPS (Frank kann nicht nur kochen!) zum ersten Mal helfen, den Weg zu finden. Vom Wasser aus schaut alles irgendwie gleich aus. Warum stehen hier eigentlich keine Schilder?! Mössensee - 300m, 200m, 100m, jetzt rechts... Gratuliere! Sie haben den richtigen Weg gewählt! - Doch nichts dergleichen.
Die geliehenen Kanus laufen ordentlich und nach einiger Übung sogar geradeaus. Günter kämpft verbissen gegen seinen langsamen Schlauchkanadier aber er bleibt dran. Tolle Leistung, finden wir! In einem festen Kanu hätte er uns ziemlich alt aussehen lassen. Aber darum geht's ja nicht...
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Vor der Einfahrt in den Mössensee finden wir auf der einen Kanalseite eine geeignete Stelle zum Landen. Stille Zeit. Jeder zieht seine Bibel raus und sucht sich sein eigenes, idyllisches Plätzchen. Eine gute halbe Stunde später sitzen wir wieder im Booten und paddeln weiter zum Vilzsee, dem Ziel unserer ersten Tagesetappe. Zieh, mann! Schon um 14:00 Uhr treffen wir auf dem Campingplatz beim Forsthof Schwarz ein und das ist ein gutes Stück früher als geplant. Durchnittsgeschwindigkeit: 5 km/h. Schnell wird klar, dass die Strecken der kommenden beiden Tage wohl keine unmenschliche Aufgabe darstellen werden. Aufatmen bei manchen.
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Wir entladen die Boote, stellen die Zelte auf und bestellen die Brötchen fürs Frühstück. Dann ist freie Zeit bis zum Abend. Etwas ungewohnt für einige, kein Programm geboten zu bekommen. Aber wir beschäftigen uns schon. Wer will, macht mit den leeren Booten Kenterübungen, einige spielen Karten, andere spielen Volleyball gegen Gleichgesinnte einer anderen Gruppe, die auch auf dem Zeltplatz übernachtet, und ein paar völlig unausgelastete spielen Wer wirft wen vom Steg ins Wasser? Ein tolles Spiel, bei dem man immer von Steg ins Wasser geschubst wird, wieder rausklettert, ins Wasser geschubst wird, rausklettert, geschubst wird...
Von der riesigen Menge Nudeln und der leckeren Erbsen-Sahne-Soße bleiben nach dem Abendessen trotzdem etwa vier Kilogramm übrig. Für die Fische ist das zweifellos viel zu schade und wir verpacken die Reste in Fässer und nehmen sie mit. Man weiß ja nie...
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Dann ist wieder Zeit für die Geschichte. Diesmal draußen auf dem See, wegen der Authentizität: In einem kleinen Rettungsboot kämpfen Kapitän Bligh und seine Getreuen mit letzter Kraft. Doch im Gegensatz zu uns nicht ums Geradeausfahren, sondern ums Überleben. Die Strapazen, die Bligh und seine Männer durchmachen müssen, sind aber trotzdem unvorstellbar. Nach 42 Tagen in einem überfüllten Rettungsboot kommt endlich Land in Sicht. Rettung im letzten Moment. Währenddessen sind sich die Meuterer auf der Bounty langsam ihrer Situation bewußt. Die Strafe für Meuterei ist der Tod und so ist ihnen der Rückweg in die Heimat versperrt. Unter dem Kommando des neuen Kapitäns F. Christian versuchen sie eine unbewohnte, fruchtbare Insel zu finden, was jedoch misslingt. Sie beschließen, noch einmal nach Tahiti zurückzukehren. Vor dort aus soll die Suche mit neuem Proviant und vor allem mit ausreichend tahitischen Frauen an Bord weitergehen. Einige der Männer wollen auf Tahiti bleiben. Für die anderen heißt das Ziel: Pitcairn. Ein unbewohntes, kleines und fruchtbares Eiland mitten im Meer. Dort angekommen versuchen sie, ein neues Leben zu beginnen. Um die Entscheidung endgültig zu machen, lässt Christian die Bounty in Brand stecken und so sitzen sie auf der Insel endgültig fest.
Erstaunlich, was die Geschichte hergibt: Auch wir sind doch auf der Suche nach Glück und Freiheit, nach der Paradiesinsel, nach der wir uns sehnen. Wenn wir die gefunden haben, dann... Doch auf unserer Suche vergessen wir Gott und machen das Glück von äußeren Umständen abhängig. Schulabschluss, Eltern, Freundin, Geld... Wenn wir uns dann irgendwo verrannt haben, fällt uns das Umkehren unendlich schwer. Lieber zünden wir die Bounty an und ziehen unser Ding durch, als dass wir zugeben würden, einen falschen Weg gegangen zu sein.
Nachdenklich paddeln wir zurück zu unseren Zelten. Von der ungewohnten Belastung spüren wir einige Muskeln mehr als sonst und sind froh, als im Zelt das Licht ausgeht. Dreizehn Kilometer mit Armkraft sind doch anstrengend...
Wieder ein Tag, der um sieben Uhr beginnt. Leise trommelt der Regen auf das Zeltdach und verbreitet die Erkenntnis, dass selbst ein Schlafsack der schönste Platz der Welt sein kann. Aber die Betreuer sind unerbittlich. Raus! Niemand wartet gerne im Regen, auch kein Frühstück. Erfreulicherweise hört der Regen bald wieder auf und das macht Hoffnung für den Tag. Es dauert nicht lange und wir gleiten wieder durch die stille Wunderwelt aus Seen, Vögeln und Seerosen. Die zwei Kilometer bis Fleeht sind schnell geschafft. Plötzlich stopp. Bei der Fleether Mühle geht es nicht mehr weiter. Es heißt: Boote rausheben, Hindernis umtragen. Alles geplant, sagt Wolfram. Zieh, mann!
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Weiter geht's über den Rätzsee. Eine merkliche Brise kommt auf von hinten! Das ist die Gelegenheit! Nur wenige Minuten später beschleunigen zwei aufgespannte Zeltplanen ein paar zusammengehängte Boote auf phänomenale 7,8 km/h. Ein Highlight! Auch hier ist die Landschaft wieder wie aus dem vielzitierten Bilderbuch. Eine kleine Ringelnatter gesellt sich zu uns und schlängelt sich neben den Booten im Wasser. Wir machen Halt an einer hölzernen Brücke im Drosedower Beck. Baden. Die Temperatur ist inzwischen im roten Bereich, der Regen vom Morgen vergessen, ein herumtreibender Baumstamm wird zum willkommenen Spielgerät. Unser Weg führt uns weiter zum Gobenowsee. Nochmal ein Segelversuch, doch diesmal erfolglos, weil sich die Boote dauernd quer stellen.
Trotzdem kommen wir am Campingplatz an. Man muss nur richtig ziehen! Inzwischen ist fast alles Routine. Boote entladen, Zelte aufbauen, Essen machen. Auch die erstmaligen Adventure-Week-Teilnehmer gewöhnen sich langsam an die Verantwortung. Hier packt jeder mit an. Unaufgefordert, auch noch nach fünfzehn Kilometern auf dem Wasser. Während wir uns die gebratenen Nudeln mit Tomatensauce schmecken lassen, macht sich langsam eine latente Vorfreude auf die Geschichte bemerkbar. Wie es wohl weitergeht auf Pitcairn? Bald lüftet sich das Geheimnis.
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Pitcairn wird für F. Christian und seine Leute zu einem Alptraum wie aus einem schlechten Horrorfilm. Ungerechtigkeit und Herrschsucht ziehen Hass und Mord über die Insel, bis von der ursprünglichen Besatzung nur noch ganze zwei Männer mit zehn Frauen und 22 Kindern übrigbleiben: John Adams, ein ehemaliger Verbrecher und der stark asthmakranke Edward Young. Alle anderen haben sich mittlerweile gegenseitig umgebracht oder sich selbst das Leben genommen. Kurz bevor auch Young stirbt, gibt er Adams noch Lese- und Schreibunterricht aus einer alten Schiffsbibel. Und gerade diese Bibel wird die Rettung für die von Gewalt und Tod schwer gezeichneten Inselbewohner. Adams müht sich verbissen, mit der Bibel das Lesen zu lernen und schon bald beschäftigen ihn weniger die Buchstaben als vielmehr die Botschaft des Buches. Er erzählt seinen Leuten weiter, was er liest und es dauert nicht lange, da treffen sich die Frauen und Kinder von Pitcairn täglich zum Gottesdienst und Gebet. Eine neue, friedliche Zeit bricht an auf der Insel - und diesmal von Dauer.
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Als nach vielen Jahren endlich englische Soldaten die Insel finden, macht das vorbildliche und von Freundlichkeit geprägte Leben der Bewohner solch einen Eindruck auf die beiden Kapitäne, dass sie, obwohl ihnen Adams schonungslos seine ganze Vergangenheit erzählt, wieder abfahren. - Und zwar ohne Adams, der bald darauf die Nachricht seiner Begnadigung erhält und nach vielen Jahren auf Pitcairn in Frieden sterben kann.
Beeindruckend, wie sich das Leben von Adams gedreht hat. - Aber nochmal zurück zu uns. Wie leben wir mit unseren Mitmenschen zusammen? Nach was richten wir uns? Wenn unser eigener Wille die letzte Instanz ist, wird das Zusammenleben zur Hölle. Beispiele gibt's genug. Doch wohin wenden, wenn wir das einsehen? Wer holt uns raus aus unseren Einbahnstraßen, aus Sünde, aus unserem Ich? Adams ging mit seinem ganzen Leben zu dem Gott, den er nach und nach in seiner Bibel fand: Jesus Christus. Dort wurde sein Herz neu und dort fand er Vergebung und nie gekannten Frieden. Sein Leben änderte sich. Und unseres? Eine Frage, die uns nicht nur bis in die Schlafsäcke begleitet.
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Aufstehen. Und wieder erst sieben Uhr. Aber es hilft nichts, irgendwann muss der Tag ja anfangen und 23 Kilometer liegen noch vor uns. Dreiundzwanzig! In der Nacht hat's geregnet, aber davon ist kaum noch etwas zu sehen. Prächtiges Wetter!
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Nach dem Frühstück geht's diesmal zusammen raus auf den See. Wir binden die Boote sternförmig zusammen und halten unsere Stille Zeit draußen auf dem Klenzsee. Ein besonderes Erlebnis. Beim Weiterfahren plözlich ein starker Wassereinbruch in Günters Boot. Man sieht ihn nur noch hektisch Richtung Ufer rudern. Zieh, mann! Als die Wassermenge im Boot jedoch weder zu- noch abnimmt, wird er stutzig und fängt das Kramen an. Das Rätsel klärt sich auf. Kein Wassereinbruch, sondern ein Wasserausbruch aus seinem geplatzten Trinkwassersack, mehr nicht. Aufatmen.
Weiter geht's zur Diemitzer Schleuse und dann Richtung Vilzsee. Das Wetter ist heftig warm. Deshalb: Pause und rein ins kühlende Nass. Wolfram spannt sich eine Hängematte direkt über's Wasser und legt sich provozierend gemütlich rein. Was für ein Platz zum Dösen, gemütlich schwingend zwischen dem plätschernden Wasser und einem schattigen Blätterdach. Kein Autolärm, kein Radio, kein Handy. Perfekt! - Bis auf die schreiende Bande, die unter ihm durch's Wasser tobt! Wolfram nimmt's gelassen.
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Der Mössensee ist das nächste Ziel. Ein Seeadler erscheint über uns und zieht souverän seine Kreise. Toller Anblick! Die Kanustation Mirow kommt in Sicht. Das Ende unserer Reise. Wehmut macht sich breit. Wir ziehen die Boote an Land und bauen noch einmal die Zelte auf. Pfarrer Martin Schöppel, extra aus der Heimat angereist, begrüßt uns herzlich. Am liebsten wäre er die ganze Zeit mit dabei gewesen. Schön, dass er wenigstens für den letzten Abend die weite Fahrt auf sich genommen hat. Wir wollen zusammen Abendmahl feiern.
Doch erst gibt's Essen. Frank legt sich mit seiner Mannschaft nochmal voll ins Zeug und die Nudeln mit Tomatensauce schmecken klasse wie eh und je. Nach dem Essen ist noch eine Abschlussbesprechung anberaumt. Das ist wichtig. Jeder sagt seine Meinung, was lief gut, was lief weniger gut, was soll man beim nächsten Mal anders machen? Als die blauen, ultimativen Finisher-Kaputzen-Pullis aus ihrem Versteck hervorgeholt werden, gibt's leuchtende Augen. Jeder kriegt einen. "Giro lago blu" steht drauf. Wir haben es geschafft!
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Langsam wird es dämmrig und wir fahren raus auf den See. Abendmahl. Die Boote binden wir sternförmig zusammen und Pfarrer Schöppel erinnert an die Geschichte der Meuterei auf der Bounty. John Adams' Geschichte ist auch die Unsere: Seemann, Meuterer, Verlorener, Begnadigter. Die Rebellion auf der Bounty spielt in unseren Herzen. Die Folge: Unfrieden, Ungerechtigkeit, Sünde, Schuld und Tod. Auch wir leben auf Pitcairn. Und auch wir können umkehren, zu Gott zurück. Was für ein Angebot!
Als wir an diesem Abend erschöpft und glücklich in den Schlafsäcken liegen, ziehen vor unserem geistigen Augen nochmal die letzen Tage und Stunden vorüber. Und morgen geht's schon wieder nach Hause. Schade.
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Müssen wir den heute aufwachen? Im Kopf bahnt sich eine kleine Portion Widerwillen den Weg: Nicht fair ist das. Nein, nicht fair! Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und als wir die Köpfe aus dem Zelt stecken, zieht uns ein versöhnlicher Kaffeeduft in die Nase. Wir robben also zum letzen Mal schlaftrunken aus den Zelten und setzen uns ans rustikale Frühstücksbuffet in den Schatten der großen Kiefern. Letzte Besprechungen. Dann geben wir die geliehenen Sachen wieder zurück. Zelte, Boote, wasserdichte Taschen. Erleichtert stellen wir fest, dass nichts fehlt. Gar nichts! Sehr erfreulich.
Das übrige Gepäck ist schnell verstaut und dann, dann brummen sie wieder, die Motoren der Kleinbusse. Wir nehmen Abschied von unserer Wunderwelt, unserem Venedig der Natur. Für ein paar Tage durften wir mit eintauchen in ein Land voller grandioser Szenarien und unberührter Natur, durften die Zeit miteinander teilen, Geschichten hören, Freunde finden, reden, lachen, streiten, zusammen beten, danken. Es war unser eigenes, kleines, gemeinsames Abenteuer.
Drei Tage im Kanu, schmerzende Oberarme, Stechmücken, eine dünne Isomatte und ein Schlafsack. Es war nicht alles einfach und bequem.
Aber trotzdem: Wer hier auf die Idee kommt, nach einem Hotel zu suchen...
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